Archiv-Seite 2

31
Mär
09

Traumurlaub

Ich habe im Lotto gewonnen. Wieviel? Eine Woche Zeit, Spesen werden übernommen. Jetzt muss ich überlegen was ich mache. Ich könnte Flugtickets buchen. Am Montag in Paris essen gehen und mich in London neu einkleiden. Dann fliege ich – im neuem edlen Zwirn – nach New York, kaufe mir einen Kaffee und setze mich in den Central Park bevor ich in einen After Work Club in Manhattan gehe. Am nächsten Tag geht´s weiter nach Utha, wo ich in den Slickrocks biken werde. Steak and Salad zum Dinner. Am Mittwoch nach San Francisco: Jetski fahren und Fisch essen, abends nach Tokio, wieder Fisch essen. Den Donnerstag werde ich in Sydney verbringen und schauen ob ich meinen Segelschein noch zurecht besitze. Was isst man da? Am besten „nur“ Whopper… sind ja schließlich auch Engländer. Dann nach Namibia. Tropenhut auf den Kopf und ein wenig im Nationalpark umherfahren. Abends Cessbaar am Lagerfeuer. Dann ist schon Samstag. Samstagabende sollen in Moskau spaßig sein. Also hin da! Was genau ich dort essen werde kann ich noch nicht sagen. Es wird auf jeden Fall viel sein, um eine Grundlage für den Abend zu schaffen. Ich werde dann (so hoffe ich) Sonntag mittags wach sein und dann sollte ich wohl nach Rom. Zum einen, um die – nach diesem Abend sicherlich notwendige – Buße zu tun, zum anderen um die Woche bei einer schönen Portion Spaghetti Carbonara ausklingen zu lassen.

Hab ich was vergessen? Will jemand mitkommen?

30
Mär
09

Urban Occultism

Dass der Hamburger Stadtpark für die ein oder andere „spirituelle Erfahrung“ gut ist, wusste ich ja. Aber das hat mich dann heute doch etwas überrascht:

Naja, wo sollen sie auch sonst hin? Wenn ich als verkannter Druide in einer 2-Zimmer-Wohnung in Barmbek wohnen würde, dann hätte ich auch den Drang hin und wieder ein kleines Ritual abzuhalten. Worum es wohl ging? Eventuell ein Fluch, der auf die Nachbrin gesprochen wurde? Oder ein Bannzauber gegen GEZ-Fahnder und Gerichtsvollzieher? Oder ging es doch darum, die holde Schönheit aus der Hansebäckerei gefügig zu machen? Wer weiß…

16
Mär
09

Smalltalk

An sich fällt mir Smalltalk nicht so schwer. Ich kann mit jedem Assi am Barmbeker Bahnhof eine angeregte Unterhaltung führen, genau wie mit depressiven Ästheten im Karoviertel oder einer kulturbeflissenen Dame in der Atrium-Bar. Kein Problem. Stundenlang. Und dann wieder habe ich manchen Situationen das Gefühl zu müssen und nichts funktioniert. Dann bin ich in – an sich netter, doch unbekannter – Gesellschaft und denke mir: Jetzt musst du mal ne Runde socializen. Dann steige ich mit einer geistreichen Bemerkung ungefragt in ein Gespräch ein, (denke mir, wenn das einer bei mir machen würde, würde ich ihn schon hassen) stelle fest, dass meine Meinung eine grundlegend Andere ist; vertrete diese, bis es schon etwas aggressiv wird und dann suche ich mir die nächste Gruppe. So hinterlasse ich dann einen Raum voller Kleingruppen, die sich denken: Was war denn das für ein Arschloch?

Recht haben sie. Ich heuchle Interesse. Ich kaue auf meiner Unterlippe und verkaufe ihnen das als interessiertes Zuhören. Ich würfle ein paar Plattitüden zusammen und verkaufe ihnen das als Antwort.

(Was ist hier gerade passiert? Smalltalk? Wollte ich gerade einfach was schreiben, weil alle immer so fleißig schreiben und ich nicht? Hoffentlich merkt das keiner…)

15
Mär
09

16 Tote und 15 Kerzen

Dass es keine vier Stunden dauerte, bis die Ursache des Amoklaufs vermutet wurde, war zu erwarten. Bei Hart aber Fair wurde dann ja bereits am Abend der Tat mit Halbwissen um sich geworfen. Zu dem Zeitpunkt habe ich mich über die dümmliche Ignoranz der Allgemeinheit geärgert, aber das passiert ja öfters mal. Dass einen Tag später die Sache bereits so glasklar war, hat mich dann doch überrascht, aber gut. „Killerspiele“ (Geniale Wortschöpfung: Spielt man einen Killer oder killen die Spiele? Joseph hätte seine Freude daran gehabt) tragen also nicht nur zur allgemeinen Verrohung unserer Jugend bei, sondern werden schon zum direkten Tatmotiv.

Die Auswertung des Rechners von Tim K. habe ergeben, dass der 17-Jährige am Dienstagabend gegen 19.30 Uhr das Spiel „Far Cry 2″ startete und den PC gegen 21.40 Uhr ausschaltete(…)

Dieses Thema wird in den deutschen Medien (mit wenigen Ausnahmen) meist gleich behandelt. Generationsproblem: Es wird wohl noch etwas dauern, bis die heutigen Computerspieler selbst in den Redaktionsräumen sitzen oder bei Frank Plasberg mit den Parteibüchern winken dürfen. Gibt sich.

Wenn selbst in Kirchen – dort, wo Vergebung und Nächstenliebe angeblich großgeschrieben wird – keine Kerze für Tim angezündet wird, muss ich das wohl machen. Mein Mitgefühl gilt allen Hinterblieben und Angehörigen.

Nachtrag: Und überhaupt:….

28
Feb
09

8er-Stöckchen

Gina hat mir ein Stöckchen zugeworfen, das ich fast verpennt* hätte. Acht persönliche Dinge… Ok. Vor einem Jahr hätte noch gesagt: „Bin ich doof?“. Doch mit meiner neuen Blogger-Exhibtionisten-Seele zieh ich jetzt auch mal spontan blank: *huiiiii*

  • *Ich war diese Woche bei einer Konferenz – einen Monat zu früh.
  • Nach drei Stunden alleine beginne ich Selbstgespräche zu führen und unterhalte mich köstlich!
  • Dabei beschimpfe ich PC und Fernseher aufs Übelste.
  • Ich hasse es, auf Skype angerufen zu werden.
  • Je schlechter der Film, desto eher brauche ich Taschentücher. (Oder halt den Ärmel)
  • Wenn ich arbeiten muss, kann ich stundenlang nichts tun. Wenn ich Freizeit habe, langweile ich mich schnell.
  • Ich kann nicht richtig Naseputzen. Zumindest habe ich das Gefühl andere können es besser.
  • Es war mir im Sommer noch nie zu warm. Ich liebe Hitze!

So. Ich werfe dieses Stöckchen nur an einen weiter, aber mit Nachdruck!

28
Feb
09

Neue Freunde

In letzter Zeit habe ich viele neue Freunde. Oder sind es alte, die ich nur vergessen habe? Ich halte meine private E-Mail Adresse seit Jahren streng geheim, dennoch kann mich Biggi plötzlich erreichen und mir von den neusten Parkplatz-Treffs erzählen, Chantal erinnert mich an das Date, das wir hatten und Stefan erklärt mir die beeindruckende Wirkung seiner Potenzmittel. Und Heinrich.. mein alter Kumpel Heinrich. Er hat was tolles entdeckt:

LiDa Daidaihua?!? Wenn ich schon vollgespamt werde, kann ich doch wenigstens ein Mindestmaß an Kreativität verlangen oder etwa nicht? Eines steht fest: Wenn ich rausfinde wer von meinen bekannten Bekannten dafür verantwortlich ist, sei es durch ungefragte Massenmails oder virenverseuchte Home-PCs, dann habe ich zumindest einen Freund weniger. Schneller Ersatz ist ja jetzt gesichert.

Nachtrag: Ich habe gerade erfahren, dass es ein solches „Schlankheitsmittel“ tatsächlich gibt. Dann ist es leider nicht mehr so lustig. Allerdings besteht bei Einnahme Lebensgefahr!

20
Feb
09

Turnbeutelvergesser

Nachdem ich nun die Gewissheit habe, nicht in den 27 Club einzutreten, kann ich mein Blog auch weiterführen. Zehn Jahre volljährig. Zukunftsängste weichen einem „Das wird schon!“ und das Knie knackt voller Selbstbewusstsein. Es weiß nämlich, dass es den Rest seines Lebens knacken wird, dann kann es auch mal ruhig etwas sonore Resonanz entwickeln. Als es noch still war, ging ich wohl noch in die Grundschule. Da schonte ich es als klassischer „Turnbeutelvergesser“ ja auch noch. Ja der war ich. Schlimmer noch: Ich war auch ein „Essen-im-Turnbeutel-Vergesser“. Immer eine große Freude, am ersten Schultag nach den Sommerferien die grausigen Reste eines Leberwurstbrotes und einer Banane zu finden. Idiot. Naja, inzwischen habe ich meine Sporttasche bei mir und unter Kontrolle.

Anderes aus dieser Zeit blieb bis heute hängen: Aus meinem Halbjahreszeugnis, 2. Klasse:

So siehts aus! ;)

15
Feb
09

Baumarkt

Ich war heute im Baumarkt. Mein Vater befindet sich im Krieg mit einem Marder auf seinem Dachboden. Da galt es sich zu rüsten. Bedeutete: ich trottete hinterher, während er sich mit Bauschaum, Chemikalien und Klosteinen (soll wirken) eindeckte. Normalerweise bin ich im Baumarkt wie alle anderen Männer. Ich erstarre mit offenem Mund vor Werbevideos von Stichsägen, die durch die verschiedensten Materialien gleiten, als wäre es Butter. Ich fasse alles an, prüfe den richtigen Sitz des Spatengriffs und habe größte Mühe mir nicht einen der Hubwagen zu schnappen, um die schief stehende Palette Laminat dort hinten gerade zu schieben. Ich befinde die Qualität der angeboten Produkte für größtenteils mangelhaft, frage einen Verkäufer nach einer völlig absurden Ware (Klebstoff aus der Raumfahrt zB.), die er natürlich nicht hat. Dann klopfe ich zweimal mit der flachen Hand auf den Tresen, sage: „Dann muss ich mir wohl selbst was überlegen!“ und beginne giftig aussehende Tiegel mit vielen Warnhinweisen in den Einkaufswagen zu legen. Ich trage schwere Kanthölzer zu meinem rostigen Pickup auf dem Parkplatz. Ich esse noch eine Wurst mit den anderen Jungs und fahre dann nach Hause zu meiner 7-köpfigen Familie wo ich die nächsten fünf Stunden nicht zu sprechen bin.

Normalerweise bin ich einer von ihnen. Heute nicht. Ich hatte Muskelkater und konnte kaum gehen. Ich konnte nur zuschauen. Das übliche Bild. Aber mir ist heute zum ersten Mal eine kleine Randgruppe aufgefallen: Junge Pärchen. Ein Bild des Grauens. Die erste gemeinsame Wohnung, aber nach zwei Tagen gibt es immer noch kein Licht auf dem Flur. Umstände, die so nicht mehr hingenommen werden und denen heute ein Ende bereitet wird. Arme Kerle schieben Wagen mit kreischenden Wandfarben hinter Frauen mit verheulten Augen her. Streit. Klar, sie haben es noch nicht kapiert. Frauen haben da nichts zu suchen. Frauen, die man in Baumärkten trifft, sind entweder unter 30 und weinen, alleine und entspannt oder dort wo sie hindürfen, wenn der Mann sie gnädigerweise doch mal mitgenommen hat: Im Gartencenter. Aber das ist ja auch immer auf dem Außengelände, nur eingezäunt… an sich ja perfekt.

04
Feb
09

Ich kann nichts wissen

Feedbackrunde zum Seminar. Alle sagen „Hat Spaß gemacht, die Referate waren teilweise etwas langweilig, etc…“ Das Übliche. Und dann ist eines meiner liebsten Schatzis an der Reihe: „Also ich finde diese Diskussionen nach Referaten total überflüssig. Wir sind alle nur Studenten und können noch nicht wissen was richtig oder falsch ist, dann sollte man doch lieber nichts sagen. Mich interressiert die Meinung von anderen Studenten auch gar nicht… nur Selbstprofilierung… bla“

Ok, selbst wenn sie grade von der Schule kommt, wo war sie? In China?

„Wenn du meinen Stiefelabdruck auf dem Arsch hast, dann weißt du was Profilierung ist!“ Ist mir natürlich erst 10 Minuten später eingefallen, da wars dann zu spät. Schade

Ach ja: Es war Klausurtag: Schreibe ein Essay. Frage aus ihrer Ecke: „Wieviele Argumente sollen wir bringen?“

„Genau drei bitte!“ Der war mir rechtzeitig eingefallen, aber der Prof hatte es schon diplomatischer ausgerückt.

27
Jan
09

„Schulligung, das war meiner…“

Wie cool sieht das immer aus, wenn in Filmen Verträge unterschrieben werden. Da wird ein schlanker, silberner Kuli aus der Innentasche und danach über millionenschweres Papier gezogen. Das geht bei mir nicht. Ich kann mit denen nicht schreiben. Auf meinen besten Kugelschreibern steht nicht Parker, Lamy oder Montblanc. Auf denen stehen steht Ratiopharm, Vattenfall oder Gerüstbau Walther. Diese haben an sich nur Vorteile. Ich finde sie schreiben besser. Gute, teure Minen hinterlassen einen satten, tintenblauen Strich, eine Billigmine ein elegantes, schnell trocknendes Jeansblau. Sie liegen besser in der Hand. Die Oberfläche ist aus billigem, weichem und griffigem Plastik, der Stift hat einen herrlich tiefen Schwerpunkt, wiegt ja nichts. Zudem personalisiert so ein Werbekuli bei Bedarf ungemein, erkennt man doch wo und mit wem der Gegenüber verkehrt. Zu diesem Zweck habe ich einen Kuli von meinem Fitness Studio, einen von einer (mir völlig unbekannten) Investmentbank und dergleichen mehr.

Ja, eine kleine Sammlung habe ich schon, es hat ja auch jeder seine liebenswerten Eigenheiten. Das Schreiben, das Klicken der Feder, deren Mechnismus, die Farbe. Sie sind eindeutig identifizierbar. „Wer hat meinen Kuli? Den von Bild der Frau? Der rote!“ Zack – schon ist er wieder da. Das ist nämlich die große Gefahr, dass sie verschwinden. Anderen Leuten bedeuten die nämlich nichts, die denken das wäre so ein Fluktuationsbesitz wie Einwegfeuerzeuge. Ein unersetzlicher Verlust, auch wenn die in einer Tausender-Auflage produziert werden. Weiß ich denn was oder wer Trovilo(tm) ist? Nein, also kann ich mir auch keinen zweiten besorgen. Das hat Konsequenzen. Einer meiner Kunden hat gute Werbekugelschreiber, da kann ich mit jedem Besuch einen kleinen Vorrat aufbauen. Aber psssst… ;)