Als ich damals von Hasselbrook zur Habichtstraße gezogen bin, da war ich schon ein klein weing geknickt. Ich hatte meinen alten Stadtteil sehr lieb gewonnen und dort eine gute Zeit verbracht. Als ich ein paar Wochen hier gelebt hatte, sagte ich immer: „Hier wohnt man halt…“ So kam es mir vor. Abends die Straßen zugeparkt, tagsüber wie leergefegt. Alles sehr ruhig, sauber, keine Kinder – und wenn doch, huschen sie leise ins Haus. Relativ wenig Menschen auf den Straßen, von der Fuhle und denen Richtung Stadtpark mal abgesehen. Etwas zu paradiesisch für meinen Geschmack, aber nur so paradiesisch wie eine Arbeitersiedlung nun einmal sein kann.
Mit der Zeit erst begann ich Barmbek zu begreifen. Mit der Zeit verstand ich auch, warum Barmbeker darauf wert legen, dass sie nicht irgenwelche Hamburger sind. Oder warum der Fan von Barmbek Uhlenhorst eben kein HSV-Fan ist. Barmbek ist ein höheres Gut als Hamburg selbst.
Und in der friedlichen Ecke, in der ich wohne – dort, wo man außer der U-Bahn nachts höchstens ein paar Grillen zirpen oder Katzen kämpfen hört, wo man nachts sogar die Sterne sieht – dort wohnt jetzt ein Pärchen, das die Idylle erschüttert. Die streiten nämlich. Man sollte es nicht glauben. Laut bei offenem Fenster, nächtelang – in ungebrochener Intensität. Das verdient Respekt. Die empörten Schatten, die hinter den Gardinen der Nachbarn umherstreichen, sehen das vermutlich anders. Mich stört es nicht wirklich, man bekommt fast ein wenig Sehnsucht nach Hamm. Aber nur fast.



Hm, so idyllisch, wie Du Barmbek beschreibst, hab ich es aber beim Besuch einer Freundin auch nicht kennen gelernt…