Wenn man sich früher eine der zahlreichen Reportagen über dekadente Multimillionäre angeschaut hat, war es keine Frage, dass man in Bälde selbst in dieser Liga mitspielen würde. Sicher, man würde mit dem Geld sinnvoller umgehen: Eine Jacht kann ausreichen, und sie muss auch nicht zwingend größer als sechzehn Meter sein. Bescheidenheit ist nun mal eine Zier. Das war so etwa mit 15 Jahren. Glückliche haben sich dann in den folgenden Jahren einer antikapitalistischen Protestbewegung angeschlossen oder gründeten kurzerhand selbst eine, auch wenn sie nur aus drei Personen bestanden haben mag, es war Schluß mit den Träumen vom großen Geld. Bäh. Pfui!
Ich konnte dem leider wenig abgewinnen. Ich ging weiterhin zu McD., trank weiter Cola, meine Sportschuhe waren weiterhin von Adidas – egal, wer die wo in welchem Alter genäht haben mag. Ich beschloss meine soziale Ader erst dann sprießen zu lassen, wenn ich eine Stiftung gründen würde; mit meinen Millionen. So rutschte man auf das Abitur zu, landete in den den ersten Jobs und in den ersten nicht abgeschlossenen Studien. Ganz schön klebrig dieser Sumpf, und wenn ich heute eine der obigen Reportagen sehe bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob ich mit 30 soweit sein werde. Da würde schon eine große Portion Glück oder eine hohe kriminelle Energie von Nöten sein. Naja, mit 40 dann vielleicht. Solange gönne ich mir meinen Mini-Luxus. Neuste Anschaffung: Ein Wilkinson Quattro Titanium – Nassrasierer. Eine Klinge kostet zwar 2,50€ aber: Wow, nachdem ich jahrelang meine Barthaare mit der Hausmarke meiner Drogerie abgekratzt habe… ein völlig neues Lebensgefühl, die Musik auf der Homepage verspricht nichts, was das Teil nicht halten kann. Und wenn ich dann stinkend reich bin, nehme ich jeden Tag eine neue Klinge. Muahahahaaaar!

