Archiv für Dezember 2008

30
Dez
08

Ubuntu-Studio

Habe den ganzen Sonntag… was, heute war Montag? Ok, zwischen dem 24. und dem 31. darf man ja wohl mal den Überblick verlieren. Also: habe den Montagnachmittag damit verbracht Ubuntu-Studio zu installieren. Hab grade aufgegeben, es hat drei Stunden gebraucht bis ich Bild hatte. Nein, ich rede nicht vom schwarzen Bildschirm mit Shell, sondern von meinem Monitor. Bios.. Linux-Ladebalken.. *Puff*, aus war er. „Out of range“. Bekanntes Problem, aber die bekannte Problemlösung funktioniert nur bis zur Vorgängerversion. Und meine Linux-Kenntnisse sind recht überschaubar. Aber Open Source-Betriebssysteme sind ja soooo toll. Klar. Da hat man schon ein alternatives System und kann dann nochmal dafür einen alternativen Treiber installieren – und das über Befehlszeilen.

Die letzten drei Stunden habe ich dann dem Sound gewidmet, weswegen ich das Studio ja eigentlich installiert hatte. Der will nicht. Wird erkannt und alles, das Soundinterface ist auch bekanntermaßen linux-freundlich, aber Ton bekomm ich nicht. Doch, mein USB-Headset geht prima. Jetzt hab ich ein dickes Producer-System zum Mails Schreiben und Skypen. Is mir jetzt auch egal. Sollen die Leute doch sagen was sie wollen, Bill Gates hat grade Punkte gemacht bei mir. Mein XP läuft seit Jahren prima unter Volllast.

Morgen ist auch noch ein (Ferien-)Tag, mal sehn ob in einem Forum in Bangladesh evtl. noch jemand ein ähnliches Problem hatte. Oder ich lass einfach mal die Leute bei mir antanzen, die mich seit Jahren wegen meines Windows auslachen.

28
Dez
08

Nutten-Slalom

Abgesehen vom Skaten waren Trendsportarten früher ja eher außerhalb der großen Metropolen zu finden. Surfen, Snowboarden, Free-Climbing und mein Mountainbiken – immer musste man als Stadtmensch in einer Gruppe unheimlich trendiger Freaks in Bussen in die Walachei gekarrt werden. Dann kamen Parcours, Base-Jumping von Hochhäusern, danach kamen einem plötzlich Biker auf Rolltreppen entgegen und nannten sich Freerider oder so ähnlich. Nix für mich. In Sachen MTB hatte ich da eher altmodische Querfeldein-Ansichten. Das hat sich dieses Jahr geändert, denn ich habe meine eigene urbane Trendsportart entwickelt: Nutten-Slalom. X-Games, ich komme!

Die Ausrüstung:

Man benötigt ein herkömmliches Mountainbike gehobener Qualität, die Anforderungen an das Material sind immens. Darüber hinaus eine Gesichtsmaske und eine Stirnlampe mit hoher Leuchtkraft. Zum Einen für die eigene Sicherheit, zum Anderen hat man beim Nutten-Slalom mehr oder weniger intelligente Hindernisse die selbstständig ausweichen können. Je beeindruckender das eigene Erscheinungsbild, desto weniger Lenkbewegungen hat man, umso besser wird die Zeit sein.

Die Regeln:

  1. Gefahren wird eine festgelegte Strecke zu einer festgelegten Zeit. Es muss ein allgemein bekannter Rotlichtbezirk einer Großstadt sein.
  2. Abgesehen vom Fahrer darf niemand verletzt werden. Die StVO ist einzuhalten, es gelten aber die für Sportveranstaltungen üblichen Lockerungen. Es wird mit Helm gefahren!
  3. Man darf nur durch Rufen auf sich aufmerksam machen, andere Mittel wie Klingeln, Hupen etc sind untersagt.
  4. Prostituierte (und Damen, die von der Jury als solche ausgewiesen werden) sind abwechselnd rechts und links zu umfahren, anderen Passanten ist lediglich auszuweichen.

Zum Üben:

Die erste offizielle Worldcup-Strecke ist Hamburg, St.Pauli. Die vorliegende Strecke ist Samstags um 23:00 zu fahren. (Später hat sich als zu riskant erwiesen). Die Stecke bietet um diese Zeit eine ausgewogene Mischung aus Bordsteinschwalben, ersten angetrunkenen, leicht schwankenden Partygängern, deren Aggressionslevel jedoch noch relativ niedrig ist. Man bekommt i.d.R nicht mehr als zwei Flaschen hinterher geworfen. Empörte Reisegruppen, die auf dem Weg zurück zu ihren Bussen sind, stellen eine weitere Herausforderung dar. Unvorhersehbar umherhüpfende Teenager mit Alcopops und Sektflaschen in der Hand sorgen für den nötigen Nervenkitzel und die ein oder andere Schockbremsung! Zu fahren ist folgende Strecke:

Von der S-Bahn Reeperbahn geht es über die Große Freiheit nach Norden, dann über die Schmuckstraße durch den  Hamburger Berg zur Davidwache. Dann nach links zur Esso-Tankstelle, rechts, rechts über die Kastanienallee zum Hans-Albers-Platz, wo sich die Spreu vom Weizen trennt! Hier kann man nochmal richtig Zeit gutmachen, um dann entlang der Reeperbahn zum Schweinske und zur S-Bahn Station zu fahren, wo die letzte Zeit genommen wird. Viel Spaß!

ACHTUNG: Ausführung auf eigene Gefahr! Die Strecke ist kein Zuckerschlecken und wenn man die falschen Leute umsäbelt, kann man ganz schön Ärger bekommen! Und da bei den Hindernissen u.U. eine Menge Drogen im Spiel sind, sind auch deren Reaktionen oftmals nicht vorhersehbar! Wear a helmet!

27
Dez
08

Man könnte doch…

Manchmal fällt einem erst im Verlauf des Tages ein, was man am gestrigen Abend für ein absurdes Gespräch geführt hat.

In dem Lokal, in dem ich hin und wieder Billard spiele, gibt es einen Stammgast – nennen wir ihn „F“. F ist ein wahrer Schöngeist, Rotwein trinkend sinniert er über das Leben und wie es angenehmer sein könnte. Er hat allerlei Vorschläge in petto, wie die Stadt Gebäude verschönern könnte, wo man Grünflächen anlegen sollte, wie sich Paare schneller finden könnten etc. Gestern nahm er sich den behinderten Kindern an. Warum die denn immer in diesen hässlichen Rollstühlen sitzen müssten, in denen sehe man doch immer gleich doppelt so krank aus. Sein Vorschlag (den er im Laufe des kommenden Jahres auch in die Tat umsetzen will): Man könne doch niedliche kleine Kinderkutschen bauen, die dann von dressierten Bernhardinern gezogen würden.

Ja. Könnte man.

21
Dez
08

Ich mag nur tote Dichter!

Ich bin ein Bauer! Mir fehlt jedes Gespür für zeitgenössische Kunst. Ich hasse Kurzfilme, in denen man gezwungen ist, sich minutenlang flackernde Bilder und schreiende Menschen anzuschauen. Mit wackeliger Handkamera in Fehlfarben aufgenommen, liegen Mädchen mit vielen dunklen Locken und buschigen Augenbrauen in Ecken düsterer Studenten-WGs und schreien. Oder lachen. Oder weinen. Was soll das sein? Verstörend? Ach ja. Scheiße kann in der Tat sehr verstörend sein. „Und warum gehst du dann nicht raus?“, fragt man mich dann. Ganz einfach, weil ich jedes Mal den Fehler begehe, den Machern solcher Werke ein Mindestmaß menschlicher Vernunft zuzusprechen. Ein wenig Menschlichkeit, ein wenig Mitmenschlichkeit würde genügen, um zumindest gegen Ende so etwas wie eine Auflösung des Ganzen zu präsentieren. Einen Sinn verlange ich noch nicht mal. Nur eine Erklärung. Eine Art Entschuldigung meinetwegen. Nö. Kommt nichts. Der junge Künstler spielt nämlich mit Erwartungen seiner Zuschauer. Ahhh. Begegne mir mal Nachts, Arschloch!

Gestern habe ich einen Poetry-Slam gesehen. Das schießt den Vogel ab. Einige Nichtsnutze stellen sich nacheinander auf die Bühne und lesen Texte, andere Nichtsnutze küren danach durch unterschiedlich lautes Gegröhle einen Sieger. Dass sich in moderner Lyrik oder Poesie nichts reimen darf, habe ich schon mitbekommen. Eine gewisse Metrik, ein Rhythmus? Fehlanzeige! Sprachspiele? Ein irgendwie gestalterischer Umgang mit Worten? Nichts! Assoziative Fetzen? Nicht mal das. Es werden zahlreiche Tagebuchtexte zerbrochener Egos vorgelesen. Und was ist daran Poesie? Kann ich euch sagen. Machen sie alle! Ein simpler Trick:

Man hole tief Luft. Dann lese man seinen Text so schnell wie nur irgend möglich vor, verzichte dabei auf jegliche Satzzeichen oder sonstige sinngebende Betonung. Jetzt wird es wichtig: Sobald man merkt, dass einem die Luft ausgeht, muss man beginnen die Stimme lauter werden zu lassen. Werden die ersten Worte noch betroffen gehaucht, schwillt die Lautstärke nach und nach an, die letzten Sätze werden gerufen, der letzte Halbsatz gebrüllt, das letzte Wort muss nicht mehr verstanden werden, idealerweise ein röchelnder Vokallaut.

Warum bloggen die Leute nicht einfach? Geschriebener Text geht niemandem auf die Nerven, so langweilig er sein mag. Und sollte man es nicht aushalten… ein Klick und man ist weg.

*klick*

19
Dez
08

§153 Abs.2 StPO: Eingestellt!

Gestern hat mein Anwalt angerufen. Er hat es entgegen aller Vorhersagen geschafft: Das Verfahren wird eingestellt werden. Das wollte natürlich auch angemessen gefeiert werden. Da kam unsere Weihnachtsfeier der Musikwissenschaftler gerade recht. Glühwein in Plastikbechern für einen halben Euro. Ich hatte natürlich schon den heißen, klebrigen Rebensaft auf beiden Händen, bevor ich den ersten Schluck nehmen konnte. Dass ich nach ein paar Glühwein und dem ersten Bier mit einer Freundin beschloss die Party zu verlassen, war vermutlich eine wegweisende Entscheidung. Ich fasse den weiteren Verlauf des Abends einfach mit den gewonnenen Erkenntnissen zusammen:

1. Donnerstags kann man in Hamburg günstig Cocktails trinken.

2. Schnell zu trinken um die Happy-Hour auszunutzen, ist zwar nicht rat- aber wirksam.

3. Kasachen können auch noch nach der Happy-Hour sehr spendabel sein.

4. In manchen orientalischen Cafés ist Tanzen zwar nicht rat- aber wirksam.

Aber es ging alles gut. Sie hat jetzt einen Weihnachtsbaum und ich habe heute auch meine Tasche in einem der Läden wiedergefunden.

16
Dez
08

Frühsport

Dass mein Zeitmanagement morgens etwas zu wünschen übrig lässt, habe ich ja schon mal erwähnt. Viele Leute laufen ja in Zeitnot zum Bus, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Ich glaube meine Morgengymnastik ist da schon seltener: Ich laufe mit dem Bus eine Station um die Wette. Die erste Station ist näher an meiner Haustür; wenn ich sehe, dass ich der Bus dort gerade losfährt, kann ich an (einem guten Morgen) versuchen eben diesen Bus an der nächsten Station zu erwischen. Dazu bedarf es aber eines Sprints allererster Güte quer durch den Park. Und wenn ich schreibe sprinten meine ich es in diesem Fall auch. Da überhole ich sämtliche Schulkinder (unter deren Jubel) auf ihren Fahrrädern und geniese den unbeschreiblichen Triumph wenn ich vor dem Bus an der Ampel stehe.

16
Dez
08

Blauzahn

Mein Telefon klingelte. Am anderen Ende der Leitung rauschendes Tosen und Lärmen. Weit entfernt hörte ich einen Freund rufen: „KANNST DU MICH VERSTEHEN?“. Er scheint in großer Not zu sein. „ICH KANN DICH HÖREN!“ brüllte ich in den Hörer, auf das Schlimmste gefasst…

Nichts los, er hat nur ein neues Bluetooth-Headset. Gut dass er jetzt in Notsituationen die Hände frei hat.

12
Dez
08

Wann ist denn Nacht?

Es kommt die Zeit da beginnen Kinder die Welt zu erkunden. Und da unsere Welt nicht leicht zu verstehen ist, werden sie schon recht bald anfangen Fragen zu stellen. Wehe dem, der nicht darauf vorbereitet ist.  Ich glaube hin und wieder gute, kindgerechte Antworten auf alle wichtigen Fragen des Lebens zu haben, fühle mich also -diesbezüglich- perfekt vorbereitet für den Fall einer plötzlichen Vaterschaft. Und dann erlebt man andererseits wieder Szenen, die einen zweifeln lassen.

Ich stand an einer zentralen Bushaltestelle und eine Mutter versuchte an einer Tafel mit unzähligen Fahrplänen den Richtigen zu finden. Der kleine Stöpsel, den sie dabei hatte, beteiligte sich aktiv an der Suche.

Er: „Da!“
Sie: „Nein, Schatz, das ist der Nachtbus.“
Er: (mit Nachdruck) „Da!“
Sie: „Naa-hein! Das ist der Nachtbus, der fährt jetzt nicht“

Er drückt seinen Fausthandschuh gegen die Scheibe und fragt:

„Wann fährt der dann?“

„Der fährt nur wenn es dunkel ist!“, antwortete sie, blickte mich fragend an und setzte sich. Ich hatte gerade den Mund voll mit einem 17:35-Snack und konnte nichts sagen, bedeutete ihr aber durch ein Schulterzucken und mit einem Blick in den stockfinsteren Winterhimmel, dass dies noch keine wasserdichte Antwort war. Der Kleine schien auch einen Verdacht zu haben, sagte aber nichts. Wir lachten, doch sein Kopf arbeitete, man konnte es sehen an der Art wie er da saß und mit den Beinen baumelte. Dann, es war bestimmt eine halbe Minute vergangen, stellte er eine sehr kluge Frage. Er kombinierte „dunkel“ und „Nacht“, erkannte sehr richtig, dass es zwar dunkel war, aber, da ja der Nachtbus noch nicht fuhr, es noch nicht „Nacht“ sein konnte:

Er: „Wann ist denn Nacht?“

Wieder ein hilfesuchender Blick der Mutter zu mir. Ich hatte auch grade eine Kaupause, musste also etwas Kluges sagen. Auch der Kleine schaute mir direkt in die Augen. Keine Ahnung wie alt, das kann ich nie einschätzen aber er war sehr jung. Da kam mir die rettende Idee. Und ihr auch. Dass wir den folgenden Satz wortgleich und synchron sagten wird für die nächsten 5 Jahre den nötigen Eindruck hinterlassen haben. Und in 15 Jahren wird er sich hoffentlich nicht mehr an die bescheuerte Antwort erinnern können:

Wir (gleichzeitig): „Da schläfst du schon.“

10
Dez
08

Rauchfrei

Erster Schritt, mit dem Rauchen aufzuhören: Es allen sagen, ob sie es hören wollen oder nicht. Erledigt!

Zweiter Schritt: Es tun. Erledigt, am Montag. Klappt ganz gut bis jetzt. Ich gebe zwar Unsummen für Kaffees, Snacks und üppige Mahlzeiten aus, aber OK. Nervlich ist alles im Lot, körperlich an sich auch. Seit heute habe ich so einen seltsamen trockenen Husten. Kann aber auch daran liegen, dass ich gestern Abend um halb zwölf noch einen Freund gezwungen habe mit mir ein Bier im Park zu trinken. Schneeregen zum Trotz. (Hat natürlich nicht zu bedeuten, dass ich irgendwie unausgeglichen wäre)

Dritter Schritt: Den Gestank loswerden. Wie man als Raucher stinkt ist ja nicht zu fassen! Gestern, also bereits am zweiten rauchfreien Tag habe ich beim Anziehen meiner Jacke einen Anfall bekommen. Problem ist natürlich, dass ich nur eine Winterjacke habe, die ansatzweise gesellschaftsfähig ist. Also habe ich mir auf dem Weg nach hause eine um 50% reduzierte Notjacke bei H&M gekauft um meine Richtige in die Reinigung zu geben. „…ich habe nämlich mit dem Rauchen aufgehört…“ Is klar, siehe Schritt eins.

Mit der Jacke seh ich ein wenig aus wie ein Zivilbeamter der Polizei, seis drum: Passt ja irgendwie zu meinem neuen, vitalen Lifestyle.

04
Dez
08

Der erste Weihnachtsbaum 2008

Den habe ich heute gesehen und zwar da, wo man es nicht unbedingt erwarten würde: Im RRZ, dem Regionalen Rechenzentrum der Uni Hamburg. Das Gebäude belegt einen Top 3 Platz bei den hässlichsten, kältesten und unfreundlichsten Gebäuden der Uni. Und dann steht in der Eingangshalle plötzlich das da:

Es ist sogar ein echter Baum, komplett mit Tannenduft, Glaskugeln und Holzschmuck. Fehlten nur noch die Bienenwachskerzen. Naja, aber die kann man von den Nerds nun wirklich nicht verlangen.