Hab mir gestern mal die Mühe gemacht, ein Gespräch vom Sommer 2008 mit Untertiteln zu versehen. Irgend ein sonniger Freitagabend im Karoviertel, Hamburg. Zu gut, als dass man es auf dem Rechner vergammeln lassen könnte.
Hab mir gestern mal die Mühe gemacht, ein Gespräch vom Sommer 2008 mit Untertiteln zu versehen. Irgend ein sonniger Freitagabend im Karoviertel, Hamburg. Zu gut, als dass man es auf dem Rechner vergammeln lassen könnte.
Bei mir um die Ecke ist eine Grundschule, gelegen an einem Park durch den sich eine kurvige, wenig befahrene Straße schlängelt. Natürlich Tempo 30, was aber häufig missachtet wird, dazu ist die Straße einfach zu leer. Das dürfte die Stadt auch dazu veranlasst haben, jetzt ein elektronisches “Sie fahren … km/h”-Schild mit Geschwindigkeitsmessung aufzustellen. Ich habe das gestern zum ersten Mal bemerkt, als der Bus plötzlich scharf abbremsen musste, weil eine Gruppe Grundschüler auf der Straße stand. Die haben jetzt natürlich eine neue Pausenbeschäftigung:

Wer ist schneller? Mit dem Rad oder per Pedes? Und das alles auf der unübersichtlichen und kurvigen Straße, auf der gerne zu schnell gefahren wird.
Eine spontane Liebeserklärung an mein Mountainbike:
Schwarz lehnst du da,
an jener Wand, die meinen Raum begrenzt -
doch durch den Schmutz, den Staub, den Matsch
dein Chrom noch tapfer glänzt.
Die Gabel trieft vor Öl und quietscht,*
vom Ritt durch Wald und Hain -
Die Reifen warm, die Bremsen heiß,
machst du den Boden dein.
Bist nicht das Beste, nicht High-End
doch mutig und stabil,
das Alu gibt mir Widerstand,
Ich fahr dich mit Gefühl.
*Tut sie nicht wirklich, alles in Ordnung.
Die Unterhose ist von entscheidender Bedeutung für die Qualität eines Tages. Die Falsche zu tragen kann das Leben des mobilen Herren massiv einschränken. Meine unterscheiden sich in vier Klassen.
Klasse A: Diese sind meine Premium-Shorts. Sie passen perfekt, sind relativ neu und oft prangt ein Markenname vorne am Bund. Oder sie sind sehr alt und erweisen sich seit Jahren als perfekter Haltgeber an turbulenten Tagen. Man hat sie oft in der Hand und denkt sich: “Nein, die brauche ich heute nicht, heute reicht eine der Klasse B.”
Klasse B: Arbeitstiere. Machen ihren Job in allen Lebenslagen, bekommen es selten gedankt. Werden auf Reisen in den Koffer gequetscht, bleiben auch mal 2 Tage in der Sporttasche liegen oder werden als spontane Badehose missbraucht. Die Marke verstecken sie meist schamhaft auf dem Wimpel. Und sie alle haben Schwestern, da sie meistens im 2er- oder 3er-Pack gekauft wurden.
Klasse C: Hier sammeln sich Klasse A-Shorts, denen ein Knopf fehlt oder Klasse B-Hosen, bei denen das Bündchen gerissen ist. Ein gerissenes Bündchen ist als solches ja kein Problem, da die gesamte Konstruktion mit der Jeans und dem Gürtel i.d.R. am Platz gehalten wird. Problematisch wäre es nur, müsste man ohne Hose gehen. Aber das passiert ja nicht. Hoffentlich.
Ganz hinten in den Schubladen lagern Unterhosen der tückischen Klasse D. Diese kommen erst dann zum Vorschein wenn alle der Klasse C durch sind und man immer noch nicht dazu kam zu waschen oder alles – im wahrsten Sinne des Wortes – Tragbare gerade nass auf dem Ständer hängt. Sie fallen auf den ersten Blick nicht auf, teilweise sehen sie sogar relativ schick aus. Das täuscht. Manche sind aus Materialien, die garantiert nicht entwickelt wurden um sie auf der Haut zu tragen, andere haben Nähte an den unmöglichsten Stellen und machen das Gehen nach zehn Minuten zur Tortur. Oder es sind slipähnliche Objekte die ihre Funktion nicht erfüllen. Ohne allzu sehr ins Detail zu gehen: Nach ein paar Schritten ist all das, was eigentlich von Stoff gehalten werden sollte auf der einen, aller Stoff auf der anderen Seite.
Vor einigen Wochen beschloss ich etwas Ordnung in meine Papierstapel zu bringen und kaufte mir zu diesem Zweck einige Leitz-Ordner. Mit dem Erfolg nun einen weiteren Stapel auf dem Boden liegen zu haben. Leere Leitz-Ordner.
Vor kurzem sagt jemand zu mir, er müsse gleich nach Hause, seine Papiere endlich mal ordnen. “Aber nicht festlesen, ordnen!”, antwortete ich und outete mich damit als Fortgeschrittener. Man freute sich einen Leidensgenossen gefunden zu haben und ich wurde in die Wohnung eingeladen um mir das Chaos anzusehen. Ich kam in eine Wohnung, die so leer war, dass es überhaupt nicht möglich gewesen wäre dort Unordnung zu schaffen. Die “seit Jahren” zu sichtenden Papiere, das “schreckliche Chaos” bestand aus zwei Schubladen die im Schlafzimmer auf dem Boden standen, gefüllt mit einigen Briefen. Ich war empört. Das entspricht etwa der Menge, die bei mir wöchentlich dazukommt.
Hinter mir im Regal liegt so ein Stapel. Etwa 20cm hoch und 6kg schwer. Die oberste Schicht besteht aus der Zeitschrift der Hamburger Handelskammer: “Hamburger Wirtschaft” – eine sicherlich hochinteressante Postille, die zu lesen ich die Zeit nicht finde. Diese Schicht ist durchsetzt mit Katalogen von Lieferservices, bei denen ich nie bestelle. Darunter eine Doppelseite aus der WELT vom 11. August 2007: Wie nicht nur eine falsche Haltung, sondern auch schon eine falsche Einstellung zu Rückenschäden führen kann… nie gelesen. Es folgen Kataloge von Versandhäusern bei denen ich nichts bestelle, eine Packung Briefumschläge mit Adressfenster (schon lange gesucht), ein Rezeptkalender von Vattenfall, eine Mietwagenrechnung, das Infoheft der Hamburger Müllabfuhr, eine Kaffee-Rechnung aus einer Springer Redaktion (Dezember 2007), noch mehr Briefumschläge in DIN A5, viele Kopien aus alten Jobs, weitere Zeitungsartikel auf schon leicht angegilbtem Papier, ein alter Mietvertrag, ein vollgeschriebener und mit Zetteln vollgestopfter Collegeblock bildet das Fundament. Und von solchen Stapeln habe ich einige, unauffällig in der Wohnung verteilt.
Jetzt habe ich gerade beim Durchsehen aber immerhin schon mal die Hälfte zum Wegwerfen bereitgelegt. Und die andere Hälfte kann jetzt in eine Kiste. Ich hab nämlich mal einen guten Trick im Radio gehört: Der Halbmessie packe einfach all seine “Schätze” in große Kisten, verklebe diese fest, und wenn er dreizehn Monate nichts aus einer dieser Kisten braucht, werfe er sie ungeöffnet weg.
…verschiebe ich die geplante Depressionsbehandlung. (jetzt bekomme ich Drogen wieder im Park)
…grüße ich die Spießer in ihren Schrebergärten. (Und ich meine es ernst!)
…schlafe ich nur noch halb soviel und bin doppelt so fit. (Naja – fast…)
…bin ich tagsüber draußen, arbeite wenn die Sonne untergegangen ist und schlafe vormittags. (Geht leider nicht immer, weil es noch Leute gibt, die ihre Arbeitszeiten nicht anpassen.)
…kann ich ungemütlich werden wenn jemand die Sonne nicht nutzen möchte (oder sogar in den Schatten will!!)
…freut man sich plötzlich, wenn das Wasser in der Dusche kälter ist als die Luft (und man kommt trotzdem schon verschwitzt aus der Dusche)
…schmiedet man absurde Pläne (hihi..hihiihhii.. haha .. haraharhar ..muahahaaaarararaaarrrrr..)
…wirds auch mal Zeit für einen neuen Header (gestern am Hafen)
Wenn man sich auf ein Steak zum Mittagessen freut und beim Auspacken merkt, dass es – entgegen der Angabe auf der Verpackung – nicht mehr genießbar ist, dann ist man schon mal schlecht gelaunt.
Ich wollte es dann wegwerfen, der Mülleimer war jedoch voll. Also hänge ich eine Plastiktüte an den Küchenstuhl und lass den stinkenden Fleischlappen darin verschwinden. <Fluch>
Da ich jedoch schon eine heiße Pfanne auf dem Herd stehen hatte, durchsuche ich meinen Kühlschrank nach anderem Bratbaren. Fischstäbchen. Im Vergleich zu Steak schon ein herber Rückschlag, aber was soll man machen. Ich lege die Fischstäbchen in die Pfanne und mache den Salat. Indes war die Pfanne jedoch derart aufgeheizt, dass sich die Fischstäbchen beim Wenden mit glänzendem verkohlten Bauch präsentieren. <viele Flüche>
Die sind nicht mehr zu retten… Ich gehe zu der neu installierten Mülltüte und will die Fischkohle dort zu dem Stinkefleisch kippen. Dabei komme ich mit der heißen Pfanne an die Tüte und schmelze ein großes Loch hinein. <entsetzliche Flüche>
Nachdem ich das geschmolzene Plastik vom Pfannnenboden gekratzt habe, versuche ich mich an Rührei. Mit Erfolg.
Ich habe im Lotto gewonnen. Wieviel? Eine Woche Zeit, Spesen werden übernommen. Jetzt muss ich überlegen was ich mache. Ich könnte Flugtickets buchen. Am Montag in Paris essen gehen und mich in London neu einkleiden. Dann fliege ich – im neuem edlen Zwirn – nach New York, kaufe mir einen Kaffee und setze mich in den Central Park bevor ich in einen After Work Club in Manhattan gehe. Am nächsten Tag geht´s weiter nach Utha, wo ich in den Slickrocks biken werde. Steak and Salad zum Dinner. Am Mittwoch nach San Francisco: Jetski fahren und Fisch essen, abends nach Tokio, wieder Fisch essen. Den Donnerstag werde ich in Sydney verbringen und schauen ob ich meinen Segelschein noch zurecht besitze. Was isst man da? Am besten “nur” Whopper… sind ja schließlich auch Engländer. Dann nach Namibia. Tropenhut auf den Kopf und ein wenig im Nationalpark umherfahren. Abends Cessbaar am Lagerfeuer. Dann ist schon Samstag. Samstagabende sollen in Moskau spaßig sein. Also hin da! Was genau ich dort essen werde kann ich noch nicht sagen. Es wird auf jeden Fall viel sein, um eine Grundlage für den Abend zu schaffen. Ich werde dann (so hoffe ich) Sonntag mittags wach sein und dann sollte ich wohl nach Rom. Zum einen, um die – nach diesem Abend sicherlich notwendige – Buße zu tun, zum anderen um die Woche bei einer schönen Portion Spaghetti Carbonara ausklingen zu lassen.
Hab ich was vergessen? Will jemand mitkommen?
Dass der Hamburger Stadtpark für die ein oder andere “spirituelle Erfahrung” gut ist, wusste ich ja. Aber das hat mich dann heute doch etwas überrascht:


Naja, wo sollen sie auch sonst hin? Wenn ich als verkannter Druide in einer 2-Zimmer-Wohnung in Barmbek wohnen würde, dann hätte ich auch den Drang hin und wieder ein kleines Ritual abzuhalten. Worum es wohl ging? Eventuell ein Fluch, der auf die Nachbrin gesprochen wurde? Oder ein Bannzauber gegen GEZ-Fahnder und Gerichtsvollzieher? Oder ging es doch darum, die holde Schönheit aus der Hansebäckerei gefügig zu machen? Wer weiß…
An sich fällt mir Smalltalk nicht so schwer. Ich kann mit jedem Assi am Barmbeker Bahnhof eine angeregte Unterhaltung führen, genau wie mit depressiven Ästheten im Karoviertel oder einer kulturbeflissenen Dame in der Atrium-Bar. Kein Problem. Stundenlang. Und dann wieder habe ich manchen Situationen das Gefühl zu müssen und nichts funktioniert. Dann bin ich in – an sich netter, doch unbekannter – Gesellschaft und denke mir: Jetzt musst du mal ne Runde socializen. Dann steige ich mit einer geistreichen Bemerkung ungefragt in ein Gespräch ein, (denke mir, wenn das einer bei mir machen würde, würde ich ihn schon hassen) stelle fest, dass meine Meinung eine grundlegend Andere ist; vertrete diese, bis es schon etwas aggressiv wird und dann suche ich mir die nächste Gruppe. So hinterlasse ich dann einen Raum voller Kleingruppen, die sich denken: Was war denn das für ein Arschloch?
Recht haben sie. Ich heuchle Interesse. Ich kaue auf meiner Unterlippe und verkaufe ihnen das als interessiertes Zuhören. Ich würfle ein paar Plattitüden zusammen und verkaufe ihnen das als Antwort.
(Was ist hier gerade passiert? Smalltalk? Wollte ich gerade einfach was schreiben, weil alle immer so fleißig schreiben und ich nicht? Hoffentlich merkt das keiner…)